Zum Üben
Sehr oft suchen Schüler/innen nach recht kurzer Zeit nach Anregungen und Gedankenstützen, um nicht nur in der wöchentlichen Stunde, sondern auch zwischendurch zu Hause zu üben. Besonders zu Beginn fällt es schwer, sich Asanas und Übungsabläufe zu merken. Nachstehend sind ein paar Bücher, die ich mehr oder minder gut kenne und zur Lektüre empfehle:
Silva,
Mira und Shyam Mehta (2001),
Yoga-Gymnastik für Entspannung, Energie und
Wohlbefinden, 9. Auflage, Christian Verlag, (deutsche
Ausgabe zur Zeit leider vergriffen, englische Ausgabe:
Yoga: The Iyengar Way).
Ein sehr schönes Buch mit vielen, großen Photos der
wichtigsten Asanas in der Iyengar Tradition. Beschreibt
auch vorbereitende Haltungen und die Verwendung von
Hilfsmitteln. Enthält Übungsprogramme, die insbesondere für
Anfänger sehr hilfreich sind, wenn sie zu Hause zu üben
beginnen wollen. Von den mir bekannten Büchern das am
Besten zum Einstieg geeignete.
Beinhaltet auch eine sehr nett und durchaus verständliche
Einführung in die Yoga Philosophie und in Pranayama
(Achtung: Pranayama sollte NIEMALS ohne Anleitung eines
erfahrenen Lehrers bzw. einer erfahrenen Lehrerin
praktiziert werden!)
B.K.S
Iyengar (2005),
Licht auf Yoga. Yoga Dipika. Das grundlegende Lehrbuch des
Hatha-Yoga, x-te Neuauflage, O. W. Barth Verlag,
(englische Ausgabe:
Light on Yoga).
Die "Bibel" des Iyengar-Yoga vom Meister selbst. Beschreibt
und illustriert detailliert und stufenweise alle Asanas
sowie deren Wirkung, von den "einfachen" bis zu den ganz
spektakulären Endhaltungen. Schließt mit einem
detaillierten Kursprogramm. Dieses ist m.E. zumindest zu
Beginn sehr hilfreich, wird aber rasch extrem fordernd und
sollte daher nur unter Anleitung geübt werden, um
Verletzungen zu vermeiden.
Enthält auch eine sehr knappe und extrem dichte Einführung
in die Yoga Philosophie sowie Pranayama Anleitungen
(Achtung: Pranayama sollte NIEMALS ohne Anleitung eines
erfahrenen Lehrers bzw. einer erfahrenen Lehrerin
praktiziert werden!).
Baron
Baptiste (2003),
Journey into Power, Simon & Schuster.
Dieses Buch lese ich gerade mit sehr viel Vergnügen. Baron
Baptiste ist der Begründer von "Power Yoga", einem v.a. vom
Astanga Vinyasa Stil beeinflussten Yogastil, der heute in
fast jedem Fitness-Studio in irgendeiner Form unterrichtet
wird. Auch wenn ich nicht all seine Ansichten teile, finde
ich das Buch ungemein inspirierend, halte es aber für
Anfänger nur für bedingt geeignet. Sehr gut gefällt mir die
ausführliche Beschreibung der einzelnen
Übungen,insbesondere auch die Beschreibung von Vor- und
Zwischenstufen einzelner Asanas. Auch gefällt mir der
ungemein positive, motivierende Stil, in dem Baptiste
schreibt, even though some people might feel that he
oversells his yoga (ich weiß nicht, wie ich das auf deutsch
ausdrücken soll).
Ich möchte allerdings aus eigener, schmerzhafter Erfahrung
davor warnen, Asanas oder Sequenzen ausschließlich aufgrund
von Beschreibungen in Büchern zu praktizieren, egal wie gut
oder motivierend diese sein mögen. Diese ersetzen nicht das
Feedback durch eine/n qualifizierte/n Lehrer/in.
Swami
Satyananda Saraswati (2003),
Asana, Pranayama, Mudra, Bandha, 12. Auflage, Ananda
Verlag.
Die "Bibel" der Yoga School of Bihar, ebenfalls vom Meister
selbst. Die Asanas sind genau beschrieben und graphisch
illustriert. Eine Besonderheit ist die genaue Beschreibung
der therapeutischen Wirkungen der einzelnen Haltungen.
Darüber hinaus beschreibt Satyananda auch die weiteren
Aspekte des Yoga und greift damit wesentlich weiter als die
zuvor genannten Bücher. Enthält auch detaillierte
Übungsprogramme für Übende verschiedener Stufen. M.E. ein
hochinteressantes Buch, allerdings aus einer Tradition, die
ich persönlich nicht kenne. Deshalb kann ich den Wert des
Buches für die tägliche Übungspraxis zu Hause, insbesondere
von AnfängerInnen, nicht beurteilen.
(Iyengar verwendet teilweise eigene, nicht immer klassische
Namen für bestimmte Asanas, weshalb es zu Abweichungen in
den Bezeichungen kommen kann.)
Darüber hinaus gibt es heute zahllose andere, mit Sicherheit ausgezeichnete Bücher. Schauen Sie in ein gut sortiertes Buchgeschäft und studieren Sie das Angebot. Jedes Buch, dass die einzelnen Übungen gut nachvollziehbar beschreibt, wird wohl ein gute Wahl sein.
Philosophie
under construction
Spezielles
T.K.V.
Desikachar (1998),
Health, Healing, and Beyond: Yoga and the Living Tradition
of Krishnamacharya, Aperture Foundation, (deutsche
Übersetzung).
Ein faszinierender und sehr breit angelegter Text über das
Leben und die Lehren Sri
Krishnamacharyas, verfaßt von dessen Sohn und letztem
Schüler T.K.V.
Desikachar.
Das Buch schildert einerseits das Leben des vielleicht
einflussreichsten Yogalehrers des 19. und 20. Jahrhunderts,
dessen Schüler so völlige konträre Stile wie Iyengar-
und Ashtanga
(Vinyasa) Yoga begründet haben. Andererseits, und dies
ist der für mich persönlich noch interessantere Teil des
Buches, beschreibt Desikachar, wie er Yoga von seinem Vater
erfahren hat, was Yoga in dieser Sichtweise ist, und was es
bedeutet, Yoga zu unterrichten.
Zwei Dinge haben mich in diesem Zusammenhang besonders
beeindruckt: Erstens der überaus pragmatische Zugang zu
Yoga als Technik bzw. Menge von Techniken, die uns
ermöglichen, Zufriedenheit und Glück zu erfahren,
unabhängig von der Kultur und spirituellen Tradition, in
der sie praktiziert werden. Dies ist doch ein ganz anderes
Bild von Yoga als jenes einer quasireligösen Heilslehre,
die nur von unerträglich "Heiligen" bzw. "Erleuchteten" auf
GENAU eine Art und Weise "richtig" ausgeübt werden kann.
Zweitens - und dies erklärt auch, wie ein Mann so
unterschiedliche Stile inspirieren konnte - wird immer
wieder die Einzigartigkeit jedes Schülers bzw. jeder
Schülerin betont. Wir alle haben aufgrund unserer
Lebensumstände und Körperstruktur spezifische Bedürfnisse,
an welche eine fortgeschrittene Yogapraxis angepaßt werden
sollte. Was gut für viele ist, ist deshalb noch nicht
notwendigerweise gut für alle. Diese Botschaft relativiert
bisweilen aufflammende "Schulen-" und "Stil-"
Streitigkeiten doch ungemein.